Historisches Kopfsteinpflaster prägt viele Straßen, Plätze und Höfe bereits seit Jahrhunderten. Bei Sanierungen werden diese Flächen teilweise zurückgebaut oder unter später aufgebrachten Asphaltdecken wieder freigelegt. Geeignete Pflastersteine können nach unserer Prüfung aufbereitet und für neue Bauvorhaben wiederverwendet werden.
NORD-STEIN beschäftigt sich seit der Gründung im Jahr 1989 intensiv mit dem Thema Gebrauchtpflaster, umgangssprachlich auch Kopfsteinpflaster genannt. Nahezu täglich werden unterschiedliche Chargen aus Rückbauprojekten umgeschlagen. Die durch die frühere Nutzung entstandene Patina verleiht dem Material einen besonderen Charakter, der sich industriell nicht reproduzieren lässt.
Durch das Recycling verbinden wir den verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Ressourcen und die besondere Ästhetik historischer Natursteinflächen.
Was sind historische Kopfsteinpflastersteine?
Als Gebrauchtpflaster werden Natursteine bezeichnet, die bereits in befestigten Flächen verlegt waren und nach deren Rückbau erneut verwendet werden können. Historisches Pflaster zeichnet sich insbesondere durch eine langjährige Nutzungsgeschichte und die dadurch entstandene Gebrauchspatina aus. Umgangssprachlich werden gebrauchte Pflastersteine häufig als Kopfsteinpflaster oder Katzenköpfe bezeichnet.
Bei NORD-STEIN stammen die historischen Pflastersteine überwiegend aus Flächen, die bereits seit vielen Jahrzehnten genutzt wurden. Viele Bestände sind mehr als 100 Jahre alt. Eine formale Altersgrenze ist für die Einordnung jedoch weniger entscheidend als die sichtbaren Spuren der früheren Nutzung.
Besonders charakteristisch sind die häufig stark abgefahrenen Köpfe der Pflastersteine. Bei hochwertigen historischen Beständen sind diese nahezu spiegelglatt. Dieser Schliff entstand durch jahrzehntelange mechanische Beanspruchung, vor allem durch die eisenbeschlagenen Räder historischer Fuhrwerke. Die natürliche Abnutzung lässt sich industriell nicht reproduzieren und macht entsprechende Chargen besonders begehrenswert.
Gebrauchtpflaster wird in unterschiedlichen Materialien, Farben und Formaten angeboten. Bei NORD-STEIN spielen insbesondere Granite eine große Rolle. Darüber hinaus werden regelmäßig Basalt, Grauwacke, Porphyr und Quarzit als gebrauchte Pflastersteine angeboten. Je nach Format wird vor allem zwischen Kleinpflaster, Großpflaster und Reihensteinen unterschieden. Hinzu kommen besonders unregelmäßig geschlagene Varianten wie Polygonalpflaster und das oftmals aus Berlin stammende Bernburger Mosaikpflaster.
Eine Besonderheit des norddeutschen Raums sind die historischen rot-bunten Großpflastersteine. NORD-STEIN bietet diese unter anderem als Hamburger Reihensteine für die Reihenverlegung und als Kieler Großpflaster für die Passeverlegung an. Die Steine bestehen überwiegend aus skandinavischen Graniten und Gneisen und gelangten bereits während der Hansezeit nach Norddeutschland.
Auf den Fahrten nach Norddeutschland wurden häufig schwere Steine als Ballast geladen. Diese sogenannten Ballaststeine stammten oftmals aus den Granitgebieten Skandinaviens oder von der Ostseeküste. Ob Halmstadt oder Bohus – die Materialbezeichnungen erinnern noch heute an ihre Geschichte.

Wenn alte Pflastersteine unter dem Asphalt entdeckt werden
Bei Straßensanierungen werden heutzutage regelmäßig historische Pflasterflächen entdeckt, die in späteren Jahrzehnten mit Asphalt überdeckt wurden. Das ursprüngliche Pflaster wurde dabei teilweise als Tragschicht belassen und kann beim Rückbau der darüber liegenden Fläche wieder zum Vorschein kommen.
NORD-STEIN übernimmt komplette Rückbauchargen, wenn diese für eine Wiederverwendung geeignet sind. Das Material wird bereits vor der Anlieferung hinsichtlich seiner Eignung geprüft. Dabei kontrollieren wir insbesondere die Schlagung und Farbe des Materials sowie den Zustand der Köpfe.
Von Bedeutung sind außerdem mögliche Beschädigungen durch den Ausbau. Frässpuren, starke Asphaltanhaftungen oder ein hoher Anteil an Fremdkörpern können die Qualität einer Charge beeinträchtigen. Zu den möglichen Fremdkörpern gehören beispielsweise Sand, Asphalt, Kupferschlackensteine, Ziegel und weitere Abfälle aus dem Rückbau.
Auch die Verladefähigkeit und eine möglichst saubere Trennung des Materials müssen berücksichtigt werden. Erst wenn die Charge unsere Qualitätsanforderungen erfüllt, wird eine Anlieferung vereinbart.

Wiederverwenden statt wegwerfen
Gebrauchte Pflastersteine aus Naturstein können nach dem Rückbau wiederverwendet werden, sofern ihre Beschaffenheit dies zulässt. Damit wird ein bereits vorhandener und über viele Jahrzehnte bewährter Baustoff einer erneuten Nutzung zugeführt. Besonders skandinavischer Granit ist wegen seiner hohen Qualität hinsichtlich Wasseraufnahme, Druckfestigkeit und Langlebigkeit gefragt und wird vielfach recycelt.
Insbesondere bei historischem Pflaster tritt zur technischen Eignung die besondere gestalterische Qualität hinzu. Die durch die frühere Nutzung entstandenen glatten Köpfe, abgerundeten Kanten und individuellen Farbnuancen verleihen den Steinen einen besonderen Charme.
Historisches Kopfsteinpflaster wird sowohl in privaten als auch öffentlichen Außenflächen eingesetzt. Typische Anwendungen sind Einfahrten, Gartenwege, Höfe und Einfassungen. Auch öffentliche Plätze und Straßen können mit historischem Pflaster gestaltet werden. Welche Pflasterart geeignet ist, hängt dabei von der geplanten Nutzung und der gewünschten Optik ab. Für kleinere Einfahrten und Wege kann Kleinpflaster eine passende Lösung sein. Für stark belastete Flächen bietet sich eher ein Großpflaster an.
Die Wiederverwendung historischer Pflastersteine erhält damit nicht nur ein Natursteinmaterial mit bewegter Geschichte, sondern ermöglicht zugleich die Gestaltung von Außenflächen mit einem Erscheinungsbild, das mit neu produzierten Materialien nicht zu erreichen ist.

Wie werden historische Pflastersteine aufbereitet?
Die Qualitätsprüfung beginnt bei NORD-STEIN bereits vor der Anlieferung einer Charge. Entscheidend ist zunächst, ob das Material grundsätzlich für die Wiederverwendung geeignet ist.
Nach der Übernahme werden die verschiedenen Chargen auf unserer 35.000 m² großen Lagerfläche getrennt voneinander eingelagert. Dafür stehen 60 große Boxenanlagen mit asphaltierten Flächen zur Verfügung.
Die getrennte Lagerung ermöglicht es, unterschiedliche Gebrauchtpflaster-Chargen sauber und sortenrein vorzuhalten. Das ist besonders wichtig, da jede Charge hinsichtlich Gesteinsart, Farbe, Schlagung und Oberflächenbeschaffenheit einzigartig ist. Um qualitativ hochwertige Chargen anbieten zu können, sortieren wir die unterschiedlichen Pflastersorten teilweise per Hand.
Da historische Pflastersteine nicht mithilfe von modernen Produktionstechniken hergestellt wurden, entspricht Gebrauchtpflaster generell nicht der DIN und anderen Normen. Bei der Lieferung von gebrauchtem Pflaster ist ein möglicher Anteil von bis zu 6% an nicht verwendungsfähigem Material und Fremdkörpern zu berücksichtigen. Außerdem können Asphaltanhaftungen sowie ausbaubedingte Spuren an den Sichtflächen vorhanden sein – dies ist handelsüblich.
Durch die sorgfältige Auswahl der Chargen, die getrennte Lagerung und eine zusätzliche Handsortierung liegt der nicht verwendungsfähige Anteil bei NORD-STEIN in der Regel deutlich darunter.
Warum ist die Wiederverwendung ressourcenschonend?
Beim Recycling von geeigneten Pflastersteinen kann der bereits vorhandene Naturstein einer erneuten Nutzung zugeführt werden. Dadurch lässt sich die Nutzungsdauer des Materials verlängern und der Bedarf an neu gewonnenen Baustoffen für die jeweilige Fläche reduzieren.
Die Wiederverwendung historischer Pflastersteine bietet insbesondere folgende Vorteile:
- Der vorhandene Naturstein bleibt im Materialkreislauf, da geeignete Steine nicht entsorgt werden müssen.
- Die lange Nutzungsdauer des Materials wird weiter ausgeschöpft – es müssen keine neuen Baustoffe mit viel Energieaufwand produziert werden.
- Die natürlich entstandene Patina bleibt erhalten und historische Gestaltungselemente können in neue Projekte integriert werden.
- Pflasterflächen können bei geeigneter Bauweise später erneut aufgenommen werden.

Wie entsteht die typische Patina?
Die charakteristische Patina historischer Pflastersteine entstand über viele Jahrzehnte durch die mechanische Beanspruchung und Witterung. Besonders deutlich zeigt sich dies an den Kopfflächen der Pflastersteine.
Bei historischen Pflasterflächen aus der Zeit der Industrialisierung, also zwischen 1850 und 1900, finden sich häufig besonders glatt abgenutzte Oberflächen. Der charakteristische Schliff entstand vor allem durch die eisenbeschlagenen Räder der damaligen Fuhrwerke.
Die daraus entstandenen nahezu spiegelglatten Köpfe sind besonders begehrenswert. Sie machen die lange Nutzungsgeschichte und Struktur des Materials sichtbar und können industriell nicht reproduziert werden.
Die Gebrauchsspuren sind dabei klar von Beschädigungen zu unterscheiden. Während eine natürliche Abnutzung die gewünschte Patina hervorbringen kann, beeinträchtigen Frässpuren, starke Asphaltanhaftungen oder andere Beschädigungen die Eignung einer Charge.
Eine besondere Stellung nimmt bei NORD-STEIN die Bunte Mischung ein. Hierbei handelt es sich um die Spezialität des Hauses. Dafür kombinieren wir in einem definierten Mischungsverhältnis unterschiedliche Natursteinarten wie Granit in verschiedenen Farbtönen, Porphyr, Basalt und Grauwacke zu einem einzigartigen Endprodukt. So ergibt die Bunte Mischung stets eine lebendige und individuell wirkende Pflasterfläche.
Auch wenn das grundsätzliche Mischungsverhältnis vergleichbar bleibt, kann sich die Farbwirkung einzelner Chargen unterscheiden. Die verwendeten Gesteine stammen nicht zwingend aus denselben Herkunftsregionen. Deshalb ist bei historischen Pflastersteinen jede Charge einzigartig und wir empfehlen vor der Auftragserteilung dringend eine Besichtigung der Gesamtcharge.

Historische Pflastersteine modern gestalten
Historisches Pflaster ist nicht auf die Gestaltung historischer Gebäude oder traditionell gestalteter Gärten beschränkt. Sogar in Verbindung mit moderner Architektur kann die gewachsene Oberfläche einen bewussten Kontrast zu klaren, reduzierten Formen bilden.
Die Auswahl des passenden Materials richtet sich zunächst nach der gewünschten Optik und der Nutzung der Fläche. Für kleinere Einfahrten und Gartenwege eignet sich oftmals ein Kleinpflaster. Hamburger Reihensteine werden vielfach für Einfahrten sowie für Einfassungen von Wegen und Terrassen genutzt.
Das Kieler Großpflaster wird in Passe versetzt und eignet sich hervorragend für größere Hofflächen und öffentliche Außenbereiche. Bei öffentlichen Plätzen oder stärker beanspruchten Flächen können – entsprechend den Anforderungen durch das barrierefreie Bauen – zudem gebrauchte Pflastersteine mit nachträglich bearbeiteten Köpfen eingesetzt werden.
Für eine besonders traditionelle Gestaltung ist das Polygonalpflaster oder Bernburger Mosaikpflaster geeignet. Polygonalpflaster zeichnet sich durch eine sehr unregelmäßige Form aus und wird deshalb häufig mit dem traditionellen Bauernhofpflaster verbunden.
Auch die Farbwahl beeinflusst die Wirkung einer Fläche. Neben grauen und roten Pflastersteinen können schwarze Natursteine, wie ein gebrauchtes Basaltpflaster, als Kontrast eingesetzt werden. Bei der Bunten Mischung entsteht die Wirkung dagegen aus dem Zusammenspiel verschiedener Natursteinarten und Farbtöne.
Die Auswahl des Gebrauchtpflasters sollte daher immer ausgehend von der geplanten Nutzung und der gewünschten Gestaltung erfolgen.

Welche Grenzen besitzt die Wiederverwendung?
Nicht jede Charge eignet sich für eine erneute Verwendung. Die Qualität des Materials wird insbesondere durch die Schlagung und Beschaffenheit der Köpfe bestimmt.
Starke Frässpuren, erhebliche Asphaltanhaftungen oder eine sehr unregelmäßige Schlagung können zum Ausschluss einer Charge führen. Gleiches gilt für einen hohen Anteil an Fremdkörpern wie Sand, Asphalt, Kupferschlackensteinen oder Ziegeln.
Gebrauchtpflaster ist außerdem kein industriell produziertes Standardprodukt. Dementsprechend können Unterschiede bei der Gesteinsart, Farbe und den Formaten auftreten. Vor diesem Hintergrund sollte berücksichtigt werden, dass eine spätere Ergänzung mit exakt demselben Material nicht garantiert werden kann. Bei größeren Projekten kann es deshalb sinnvoll sein, eine ausreichende Materialreserve einzuplanen.
Diese Unterschiede sind grundsätzlich handelsüblich und gehören zum Charakter des Materials. Sie müssen dennoch bei der Planung und Auswahl berücksichtigt werden. Wer eine bestimmte optische Wirkung erzielen möchte, sollte die gewünschte Charge – wenn möglich – persönlich besichtigen.
Historische Werte für neue Außenflächen erhalten
Historisches Kopfsteinpflaster verbindet eine lange Nutzungsgeschichte mit der besonderen Ästhetik gewachsener Natursteinoberflächen. Die charakteristischen Gebrauchsspuren und abgefahrenen Köpfe lassen sich bei neuen Materialien nicht in gleicher Art und Weise reproduzieren.
NORD-STEIN übernimmt geeignete Pflastersteine aus Rückbauprojekten ehemaliger Straßen und Plätze und bevorratet auf der 35.000 m² großen Lagerfläche im Hamburger Hafen durchgehend eine große Auswahl historischer Gebrauchtpflaster-Chargen. Diese können jederzeit zu unseren Öffnungszeiten vor Ort besichtigt und verglichen werden.
Denn selbst wenn ein bestimmtes Gebrauchtpflaster in der Ausstellung zu sehen ist, kann die tatsächliche Farbgebung von Charge zu Charge variieren. Erst die Besichtigung der Gesamtmenge vermittelt einen realistischen Eindruck von Farben, Formaten und der Qualität des Materials.

Häufig gestellte Fragen zur Wiederverwendung historischer Pflastersteine
Können alle ausgebauten Pflastersteine erneut verwendet werden?
Nein. Entscheidend ist die Beschaffenheit der jeweiligen Charge. NORD-STEIN prüft bei jeder Charge die Beschaffenheit der Köpfe, das Format und die Farbgebung. Frässpuren, starke Asphaltanhaftungen, eine sehr unregelmäßige Schlagung oder ein hoher Anteil an Fremdkörpern können die Wiederverwendbarkeit einschränken.
Sind Gebrauchsspuren bei historischen Pflastersteinen ein Mangel?
Nein. Die durch jahrzehntelange Nutzung entstandenen, stark abgefahrenen und möglichst glatten Köpfe sind bei historischem Pflaster besonders begehrt. Sie verleihen dem Material seine charakteristische Patina und machen die Nutzungsgeschichte sichtbar.
Davon zu unterscheiden sind Beschädigungen durch den Ausbau oder andere Beeinträchtigungen wie Frässpuren oder starke Asphaltanhaftungen.
Ist Gebrauchtpflaster grundsätzlich nachhaltiger als neue Baustoffe?
Ja. Das Recycling von historischen Pflastersteinen schont unsere natürlichen Ressourcen, da ein bereits vorhandener Naturstein weiter genutzt wird und somit die energieintensive Produktion von neuen Baustoffen ausbleibt.
Können historische Pflastersteine später erneut aufgenommen werden?
Ja. Grundsätzlich können Pflasterflächen bei geeigneter Bauweise zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgenommen und verändert werden. Eine fachgerechte Ausführung ist dafür entscheidend.
Bei historischen Materialien kann es außerdem sinnvoll sein, eine Materialreserve einzuplanen, da eine spätere Ergänzung mit exakt derselben Charge nicht garantiert werden kann.